Kategorie-Archiv: Sonstiges

Waschmittelalternative – Das EcoEgg

Viele Fragen zum Stoffwickeln beschäftigen sich mit dem Waschen. Das ist ja auch kein Wunder, wo doch so viele unterschiedlichen Aussagen darüber kursieren, was erlaubt ist, was nicht, worauf man achten soll, was  man unbedingt vermeiden soll, etc. pp. Da wird ein Neuling ganz wuschig.

Die liebe Michelle von Stoffywelt hat mir vor anderthalb Monaten also mal etwas geschickt, was das Ganze erheblich erleichtern soll: Das EcoEgg. Nun, Wunderwaschkugeln und ähnlich gibt es ja schon länger auf dem Markt – nichts, was mich bislang wirklich überzeugt hätte. Was also ist an diesem Waschei anders?

Also, das EcoEgg ist ein etwa handtellergroßes Ei aus Kunststoff, welches mit zwei verschiedenen Arten von Mineralkugeln gefüllt ist und damit in die Waschmaschine gegeben wird. Die Oberfläche ist nicht kunststoffglatt sondern hat etwas gummiartiges. Man hat jedenfalls nicht das Gefühl, dass das Ei die Waschtrommel beschädigen könnte.

Es kann zum Nachfüllen geöffnet werden. Im Bild seht ihr den Verschluss, der hör- und spürbar einrastet, wenn man ihn zudreht. So kann man sicher sein, dass er auch wirklich verschlossen ist. Eine Horrorvorstellung, sollte sich das Ding einmal in der Waschtrommel öffnen… Bis jetzt hatte ich allerdings keine Bedenken.

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Gefüllt ist das Ei wie gesagt mit zweierlei Kügelchen. Die schwarzen Kugeln sind aus Turmalin-Keramik und sollen die Funktion haben, die Verbindung zwischen Schmutz und Stoff zu schwächen. Nach ein bisschen Google-Arbeit habe ich herausgefunden, dass dieses Material auch auf Haarglätteisen zur Vermeidung von statischer Aufladung und in Wasserfiltern verwendet wird. Diese Kugeln nutzen sich nicht ab. Sie sind auch wesentlich härter als die weißen Kugeln.

Diese sind nämlich die eigentlichen Reinigungskugeln. Sie sind ebenfalls mineralisch und haben viele Bestandteile wie herkömmliches Waschmittel auch. So enthalten sie waschaktive Substanzen genau so wie Soda und Natriumcitrat. Andere Zusatzstoffe wie optische Aufheller oder Enzyme sind nicht enthalten. Die genauen Inhaltsstoffe könnt ihr hier nachlesen. Wenn man diese anfasst, dann fühlen sie sich an wie festes Wachs.

Von den weißen Kügelchen kommen dreimal so viele in das Ei wie von den schwarzen. Beim ersten Einfüllen muss man darauf achten, dass die richtige Hälfte unten ist – nämlich die spitze – was das Ganze etwas wackelig werden lässt. Insbesondere wenn daneben ein aufgeregtes Kind steht, das so gerne mithelfen möchte, und das Ding ständig umschmeißt. Die Hälfte ist anschließend randvoll.

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Dass sich die weißen Kügelchen tatsächlich abnutzen, sieht man im folgenden Bild (sechs Wochen später):

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Man muss also schon darauf achten, dass das Ei hin und wieder nachgefüllt wird. Insgesamt sind genügend Kügelchen  für ca. 720 Wäschen dabei. Bei uns hieße das ausreichend Waschmittel für 4-5 Jahre (wir waschen aktuell ca. 2-3 Mal die Woche)…

Worauf muss man beim Waschen achten?

Nun, die Waschmaschine sollte nicht pickepackevoll sein, da das Ei mit viel Wasser durchgespült werden muss, um seine Wirkung zu entfalten. Die Waschtemperatur sollte 60 Grad Celsius nicht überschreiten und 30 Grad Celsius nicht unterschreiten. In den Trockner darf das Ei nicht!

Nach der Wäsche sollte das Ei außerhalb der Maschine trocknen können.

Wie ist die Waschwirkung?

Ich sag mal so: Ich bin nicht anspruchsvoll beim Wäschewaschen. Mir reicht es, wenn die Wäsche sauber riecht und mehr oder weniger sauber ist. Deswegen kam ich die letzten zwei Jahre auch sehr gut mit Billes Waschmittel klar. Ab und zu wird mal ein Fleck vorbehandelt, aber so wirklich ehrgeizig bin ich da nicht. Von daher bin ich zufrieden. Zum vorigen Waschen habe ich keinen Unterschied bemerkt. Normal beschmutzte Wäsche wird sauber, frische Flecken gehen einwandfrei raus, alte Flecken nicht so sehr. Da dies ein Waschei ohne Duft ist (es gibt auch welche mit), kommt die Wäsche genau so raus, wie ich es erwarte: ohne Duft. Wenn ich Duft haben möchte, verwende ich den Wäscheduft von Almawin. Und ansonsten kommt ein bisschen Entkalker hinzu, damit es das Waschei etwas leichter hat mit dem Wasser.

Wer also die strahlendweiße Wäsche großer Waschmittelmarken gewohnt ist, wird davon enttäuscht. Wie ich schon in einem anderen Beitrag schrieb, das Strahlendweiße ist im Grunde nichts anderes als eine optische Täuschung. Die wird hier nicht eingesetzt. Das muss man wissen. Entweder muss man dann mit Zusatzmitteln wie beispielsweise Bleichmittel nachhelfen, oder eben damit leben.

Waschen von Stoffwindeln

Warum ist das EcoEgg nun so gut geeignet für das Waschen von Stoffwindeln? Weil man sich hier keine Gedanken darum machen muss, ob es in irgendeiner Weise schädigend ist. Kein (Cellulase)Enzym, welches Bambus angreifen könnte, keine Hanf schädlichen Rieselhilfen, keine Kalkseife, die bei hartem Wasser entsteht und sich in Mikrofaser absetzt. Es kann für alle Materialien verwendet werden. Und es hilft sogar, die Windeln etwas durchzuwalken.

Na gut, Flecken vom großen Geschäft müssten vorbehandelt werden, wenn man Wert darauf legt. Aber ich sehe es ja so: Stoffwindeln dürfen auch mal zeigen, was sie alles schaffen.

Das EcoEgg kostet 26,90€ und ist hier erhältlich:

Bokashi – Stand der Dinge

Lange habe ich nicht mehr von unserem Bokashi-Projekt erzählt. Ich hatte schon überlegt, das Thema einfach still und leise ad acta zu legen. Und jetzt das: Es funktioniert!

Also, wir haben bislang zwei Versuche gemacht. Über den ersten Versuch habe ich ja im Januar berichtet. Der ruhte dann ca. zwei Monate bei uns in einer doppelt geschichteten Mülltüte. Als die Sickerflüssigkeit dann auch noch durch die zweite Schicht ging und einen, sagen wir mal, etwas ungewöhnlichen Duft in der Küche verströmte, musste das Zeug ab in den Garten. Dort haben wir den Bokashi dann in in der Erde vergraben. Ich muss gestehen, der Geruch war nicht unbedingt vom Feinsten. Eine dünne Erdschicht reichte nicht aus, um ihn zu unterbinden. Also kam da ein Riesenerdhaufen vom Beetumgraben drauf. Und dann war ich mir gar nicht mehr sicher, ob wir ihn überhaupt noch nutzen würden.

Für den zweiten Versuch haben wir uns vorgenommen, den Kompost möglichst in ca. mundgerechte Stücke zu zerkleinern, damit er in den Schichten schön luftdicht gestampft werden kann. Ich weiß nicht, ob es daran lag, aber diesmal roch die Sickerflüssigkeit bestialisch. Die „frische“ Sickerflüssigkeit vom ersten Versuch roch eher säuerlich-süßlich nach Vergorenem. Also etwas streng, aber nicht unangenehm. Die jetzige stank. Ich weiß nicht mehr genau, wonach. Eher schwefelig, würde ich sagen. Ich hatte schon gar keine Hoffnung mehr. Diesmal haben wir allerdings den Bokashi im Eimer gelassen, bis auch wirklich keine Sickerflüssigkeit mehr rauskam. Also ca. einen Monat, nachdem der Eimer voll war. Und dann haben wir ihn im Garten in zwei große Eimer mit Erde geschichtet: erst Erde, dann Bokashi, dann Erde. Der Bokashi selbst roch da gar nicht so extrem wie die Sickerflüssigkeit, eher wie völlig vergorener Sauerkraut.

Und was soll ich sagen? Ich habe nach anderthalb Wochen neugierig drin rumgestochert. Ich stocherte und stocherte und fragte mich schon, wie tief die Bokashi-Schicht wohl lag. Bis mir auffiel, dass die Erde nicht die ursprünglich hellere Farbe hatte sondern ein tiefdunkles Braun, fast Schwarz. Dazwischen waren hier und da noch ein paar wenige Bokashireste zu entdecken. Es war tatsächlich schon fast vollständig umgesetzter Kompost! Das spornte uns an, auch den vergessenen Haufen noch einmal umzugraben. Und auch da – kein Bokashi mehr. Fantastisch!

Mein erstes Fazit, denn der Pflanztest steht ja noch aus, ist also: Ja, Bokashi funktioniert bei uns. Allerdings mit ein paar Macken. Ich versuch mal, die bisherigen Aspekte aufzuzählen:

Positiv

  • Ein Großteil des Hausbiomülls kann verwertet werden.
  • Während des Gärvorgangs riecht es nicht! Auch die Sickerflüssigkeit ist luftdicht abgeschlossen, so lange der Hahn nicht geöffnet wird.
  • Theoretisch kann die Sickerflüssigkeit im Haushalt verwendet werden. Wir haben es beim ersten Versuch einmal probiert und keine nennenswerten Vorteile entdecken können. Ich glaube, dass ein, zwei Tage später die selten blühende Zimmerpflanze plötzlich doch blühte, könnte auch Zufall gewesen sein.
  • Aus Bokashi wird Kompost in insgesamt ca. zwei Monaten!

Negativ bzw. optimierungsbedürftig

  • Die Sickerflüssigkeit ist ein Unsicherheitsfaktor. 
  • Der Bokashi muss doch länger ruhen als gedacht. Das heißt, um durchgängig Bokashi herzustellen, braucht man mindestens zwei Eimersets.
  • Die Eimer zu säubern ist die Pest.

Ich bin gespannt, wie es sich mit der Sickerflüssigkeit beim nächsten Mal verhält. Der dritte Versuch startet in Kürze 😉

Meine Mutter

Ich habe mich die letzten Tage gefragt, ob ich darüber schreiben soll. Am Ende hat dieser Blog ja auch viel mit Elternsein zu tun, deswegen macht es dafür vielleicht Sinn. Vielleicht hilft es mir auch, beim Schreiben loszulassen. Wir werden sehen. Es ist ein Versuch. Wenn Ihr dies lest, dann werde ich mich wohl entschieden haben.

Dass ich in den letzten Wochen nichts geschrieben habe, hat nicht damit zu tun, dass unsere Tochter nun wohl doch in großen Stücken trocken ist. Tagsüber 100%ig, und auch nachts sieht es ziemlich gut aus. Nein. Es ist ein Ereignis eingetreten, das zwar irgendwie schon vorhersehbar war, aber nun doch so plötzlich kam, dass ich es noch nicht so wirklich realisiert habe. Ich bin in tiefer Trauer über meine geliebte Mutter. Uns verband ein enges Band, und ich möchte sie Euch gern ein wenig vorstellen, damit Ihr auch etwas von ihr mitbekommt.

Meine Mutter ist im Süden Vietnams zur französischen Kolonialzeit aufgewachsen. Sie hatte es nicht immer leicht, denn sie war mal so reich, dass sie ein eigenes Kindermädchen hatte, und dann wieder so arm, dass sie mit ihrer Mutter Fahrradsattelbezüge strickte, um etwas zum Haushalt dazuverdienen zu können. Aber sie war immer glücklich. Denn sie hatte eine Mutter, die nicht nur besonders stark und unabhängig war, sondern auch von größter Gelassenheit gesegnet. Was sie also von klein auf gelernt hat, war, in die eigenen Stärken zu vertrauen und daraus immer wieder neues entstehen zu lassen. Davon hat sie oft erzählt. Ich durfte meine Oma leider nie kennen lernen, da sie am anderen Ende der Welt starb, als meine Mutter mit mir schwanger war. Zu dem Zeitpunkt war sie bereits selbst eine starke, unabhängige Frau, die seit 15 Jahren in einer völlig anderen Kultur lebte.

Ich glaube, das war gut für sie. Denn als wir Kinder kamen, war das einzige, wonach sie sich richten konnte, ihre Intuition. Sie hat uns so erzogen, wie sie es für richtig hielt. Niemand hat ihr reingeredet – Verwandte waren zu weit weg, und im deutschen Bekanntenkreis war sie die erste, die Kinder bekam. Wir haben alles gemacht, was man als Mittelstandsbürger in Deutschland eben so macht. Wir sind in den Kindergarten gegangen, wir haben eine musikalische Früherziehung genossen, waren im Sportverein aktiv… Natürlich haben wir alle Abitur gemacht, studiert, und zwei von dreien sind sogar promoviert bzw. gerade dabei. So, offiziell alles abgehakt, Mission accomplished. Im Rückblick könnten unbeteiligte jetzt sogar eine Tigermom vermuten. Sie hätte uns auch durchpeitschen können. Aber. Und das sage ich vollkommen ernst. Sie hat uns immer machen lassen, so wie wir es wollten, und uns dabei unterstützt, so wie wir es brauchten.

Das fing schon in der frühen Kindheit an. Wenn ich sie in den letzten zwei Jahren vollgejammert habe, dass meine Tochter kaum etwas isst – und wenn dann nur Reis oder Nudeln pur, dann lachte sie mich an und sagte, „Ja, du hast die ersten vier Jahre auch nur Reis gegessen. Lass sie. Solange sie gesund und heiter ist, ist alles gut.“ Ich bin auch trotz eintöniger Ernährung gut gedeiht, denke ich mal. Sie muss es gespürt haben, als ich mit 15 im Leistungssport immer unglücklicher wurde. Ich selbst habe es nicht gespürt. Sie sagte mir Jahre später, dass ich oft sehr müde war, und dass sie wirklich sehr besorgt war. Sie nahm mich aus dem Olympiastützpunkt raus, las etliche Bücher über Trainingslehre und trainierte mich selbst ab. Ich ging für ein Austauschjahr ins Ausland und kam als neuer, selbstbewusster Mensch wieder. Als hätte sie gewusst, dass ich es brauche und dass es wirken würde.

Sie arbeitete nie wirklich im Angestelltenverhältnis. Sie machte sich das zu eigen, was sie gerade brennend interessierte, egal, ob es sich damit Geld verdienen ließ oder nicht. Geld stand nie im Vordergrund. Wenn keins da war, dann hat sie uns eben die Kleidung genäht und gestrickt. Statt Ballettunterricht in einer Privatschule gab’s Modern Dancing im Freizeitheim fast für lau. Im Urlaub wurde an der Nordsee gezeltet. Wie herrlich waren die Zeiten, als wir morgens aus dem Zelt gekrabbelt sind und aus Schälchen unseren Milchkaffee (!) schlürfen durften. Man fühlte sich très francais. Wir bekamen dann etwas davon mit, wie sie und mein Vater die ersten Jahre in Europa – also Frankreich – verbrachten.

Obwohl sie schon in der Heimat studiert hatte, begann sie hier ebenfalls mit Studien – Kunst, Englisch, Deutsch – ja, sie war durch und durch Geisteswissenschaftlerin und Ästhetikerin. Sie fing auch mit einer Promotion an, als ich gerade im Abitur steckte. Aber dann entschied sie sich dagegen, weil sie in der Zwischenzeit auch so viel Freude am Training gefunden hat, dass sie viel lieber mit kleinen und großen Menschen an Bewegungstechniken und Entwicklungen gearbeitet hat. Sie war eine exzellente Trainerin. Und ich bin überzeugt, dass das auch damit zu tun hat, dass sie einfach auch eine tolle Mutter war. Und sie war eine großartige Unterstützerin. Als die Zeit der vietnamesischen Asylsuchenden kam, ging sie ins Heim und gab den Menschen dort Deutschunterricht. Sie nahm mich mit, weil ihre Aussprache nicht so gut war. Aber das hielt sie nicht davon ab. Viele von ihnen konnten hier Fuß fassen und haben mittlerweile eigene Familien gegründet. Es hielt sie auch nichts davon ab, deren Kindern Nachhilfeunterricht zu geben, obwohl sie schon lange nicht mehr firm in Schulthemen war. Es ging ja sowieso eher darum, ihnen Aufmerksamkeit zu schenken und sie zu stärken.

Meine Mutter war ein Mensch, der alles von innen und aus eigenem Wunsch heraus machte. Sie war aber dazu auch ein naturgegeben disziplinierter Mensch. Alles, was sie sich vornahm, tat sie auf ganzer Linie mit einem Plan. Als sie uns bekam, kaufte sie sich ein Buch über Rückbildungs-Yoga. Seitdem machte sie jeden (!) Morgen (!) ihre Übungen. Sie nahm sich in den letzten Jahren vor, die vietnamesische Vorkriegsliteratur zu archivieren und in die vietnamesische Weltcommunity zu tragen. Sie lernte, wie man einen Blog schreibt, wie man skypet, wie man Podcasts aufzeichnet – mit 70. Sie notierte sich jeden Tag die Zahl der Homepagebesuche und freute sich tierisch über Zugänge. Sie war vernarrt in Blumen. Sie fotografierte Blütenstände in ihrer Umgebung übers Jahr hinweg und erfreute sich tagtäglich an deren Schönheit. Sie freute sich einfach über viele Dinge. Und – hier schließt sich der Kreis zu meiner Oma – ihre Gelassenheit ermöglichte es ihr, Störendes aus dem Umfeld einfach auszublenden, wenn sie es für gesünder hielt. Sie konnte nämlich auch loslassen. Nie hat sie Dingen hintergetrauert, wenn sie mit ihnen abgeschlossen hatte.

Als ich arbeitsmäßig eine stressige Zeit hatte, sagte sie mal zu mir, „Weißt du, was ich an dir schon von frühester Kindheit an bewundert habe? Deine Gelassenheit. Die hast du von Oma. Die Fähigkeit, Dinge hinzunehmen, die du selbst nicht ändern kannst, und die Dinge zu ändern, die du in der Hand hast. Das ist eine besondere Stärke der Frauen in unserer Familie. Das vermisse ich gerade an dir. Verliere es nicht!“ Sie sagte nicht, was ich tun soll. Sie hat nie gesagt, was ich tun soll. Und doch brauchte ich immer unsere Gespräche, um wieder auf den rechten Weg zu finden. Ich vermisse sie so sehr. Und doch weiß ich, dass so viel von ihr in mir steckt, dass ich in Zukunft hoffentlich vieles von ihr am Leben halten kann.

Ich konnte jetzt bei weitem nicht alles so in Worte fassen, wie ich es empfinde, und es ist vielleicht auch etwas wirr. Ich hatte in meiner Mutter ein großes Vorbild, sowohl als Mensch als auch als Mutter. Dafür bin ich sehr sehr dankbar.

Wanna swap? Der Versuch einer Mini-Tauschbörse.

Ich hatte mal ein äußerst gendergerechtes Laster. Ich habe sehr gern Schuhe gekauft. Es ist zwar nie wirklich ausgeartet, aber ich hatte durchaus auch das eine oder andere Paar, welches ich nicht unbedingt hätte kaufen müssen. Neulich haben wir also den Dachboden etwas aufgeräumt – genauer gesagt Sören. Und dann kam er mit einem Karton voll Schuhe runter mit der Frage, ob ich sie noch bräuchte. Knapp fünf Jahre habe ich sie nun nicht gesehen, weil sie zum Einzug gleich oben gelandet sind. Kennt ihr dann die Situation, dass man aber doch gleich denkt: Oh, die könnte ich ja noch anziehen! Und die sehen ja gar nicht so schlecht aus! Nein, Schluss jetzt! Ich brauche sie doch gar nicht mehr!

Ich dachte zuerst, sie über eine Auktionsbörse oder ähnlichem zu vertickern. Sind ja immerhin auch recht teure Markenschuhe dabei. Aber erstens vergesse ich ständig, mich darum zu kümmern, und zweitens ist das ganz schön viel Aufwand für sagen wir mal vergleichsweise wenig Erlös. Also versuche ich jetzt mal etwas, was für mich zurzeit mehr Sinn macht. Wie wär’s mit einer Mini-Tauschbörse? 

Ich stelle hier also meine Schuhe vor (relativ schmaler Fuß, exakt Größe 40) und wer Interesse daran hat, darf mir zum Tausch etwas anbieten. Kleiner Hinweis: Unsere Tochter braucht noch für den Frühling feste Schuhe, Crocs und Gummistiefel in Größe 26, Langarmshirts und Leggins in 98/104, Duplosteine (Tiere), … Muss aber gar nicht das sein. Ich bin auch ganz neugierig, was ihr sonst noch Schönes im Sinn habt. Fangen wir also mit den Schuhen an. In den Bildern, in denen die Schuhe als Paar abgebildet sind, findet ihr auch eine kurze Beschreibung. Wer Interesse hat, schickt mir über das unten stehende Formular einfach eine Nachricht mit Angabe des Bildes und des Tauschangebots. Über das Porto können wir ja dann mailen. Demnächst gibt es dann vielleicht auch Kinderschuhe. Oder Windeln. Oder oder.

[contact_form email=“thuunlimited@gmail.com“ subject=“Mini-Tauschbörse“]

Buchrezension: Ausgewickelt von Caroline Oblasser und Sigrun Eder

(Quelle: Edition Riedenburg)

Ich schrieb ja schon im Trainer-Artikel, dass der Gang zur Toilette oder zum Töpfchen immer mehr ein Thema wird. Just in dieser Zeit schrieb mich Caroline Oblasser an, ob ich nicht Lust hätte, ihr neues Buch zu rezensieren. Was für ein Timing! Das heißt, ich brauche nicht nur zu erzählen, wie ich das Buch theoretisch so finde, sondern ich kann auch tatsächlich hands-on austesten, ob es was taugt.

Also, zuerst einmal eine Klarstellung. Es ist zwar schön für mich, dass ich als Stoffwicklerin in den Genuss des Buches komme, aber mit Stoffwickeln hat es an sich nicht viel zu tun. Das Buch ist also für all jene gedacht, die bislang ihr Kind gewickelt haben, egal ob in Stoff oder Plastik und egal wie alt. Es ist ganz klar strukturiert. Vorab eine kleine historische und biologische Abhandlung und dann eine Dreiteilung in die Phasen Vorbereitung („Ja-ich-will-Phase“), Beobachtung („Entdeckerphase“), Praxis („Gewinnerphase“).

Nun, ich möchte hier jetzt keine Inhaltsanalyse hinlegen. Ich möchte euch viel lieber erzählen, wie hilfreich (oder auch nicht hilfreich) das Buch in den letzten Wochen für uns war. Dafür muss ich wohl etwas weiter ausholen. Seit mindestens einem Jahr sagt unsere Tochter (nun 34 Monate alt) schon vor dem großen Geschäft an, dass sie muss. Mit dem kleinen Geschäft ist es ungefähr seit einem Vierteljahr so. Wenn man sie aber fragte, ob sie aufs Töpfchen oder auf die Toilette will, dann sagte sie so gut wie immer „Nein, in die Windel“. Ein Töpfchen haben wir seit nunmehr anderthalb Jahren im Haus. Eine Klobrille mit Sitzverkleinerung (diese doppelten Dinger), seit ungefähr einem dreiviertel Jahr. [quote float=“left“]Du brauchst glaubwürdige Argumente, um die Aufmerksamkeit deines Kindes auf die Alternativen zum Hosenklo zu lenken.[/quote] Sie kennt alles, sie weiß, was sie damit machen soll, sie hat sich in all den Monaten gelegentlich mit und ohne Kleidung darauf gesetzt und sogar hin und wieder was (rein)gemacht. Aber so wirklichen Drive gab es da nie.

Und jetzt sage ich mal, was sich durch das Buch verändert hat. Ich habe immer gedacht, dass keinen Druck zu machen gleichzusetzen ist mit keinen Einfluss zu nehmen. Ich dachte, sie wird schon irgendwann von selbst sagen „Ich will jetzt aufs Töpfchen“. Mag sein, dass es bei anderen so funktioniert. Ich schätze, in unserem Fall würde das Töpfchen niemals entsprechend hohe Priorität erlangen. Aber Druck ausüben wollte ich auch nicht. Ich habe also angeregt durch das Buch erst einmal folgendes gemacht: Ich habe mir mit ihr gemeinsam ein neues Töpfchen ausgesucht. Einmal, weil ich das alte sowieso schrecklich zum Reinigen fand, und dann weil ich hoffte, dass dies die Aufmerksamkeit erhöht. Sie war dann auch ganz aufgeregt, als es dann kam. Hat sich gleich drauf gesetzt, für gut befunden… und dann wieder vergessen. Es brauchte also noch einen Teaser.

[quote float=“right“]Lass dir für den Einschlafpiesler eine schöne Klo- oder Töpfchen-Routine einfallen…[/quote] Dann habe ich mit einer Art Ritual angefangen. Da ihre Windeln nachts jetzt längst nicht mehr so voll sind wie früher (Höschenwindeln sind oft hinten noch trocken), dachte ich mir, setze ich mal abends an. Morgens sind wir ab und zu unter Zeitdruck, deswegen hielt ich das nicht für sinnvoll, da anzufangen. Also: abends vor dem Nachtwickeln und Zähneputzen wird sich noch mal aufs Töpfchen gesetzt. Beim ersten Mal hat sie gerne mitgemacht. Beim zweiten Mal wollte sie schon nicht mehr. Deswegen habe ich sie mit einem Buch gelockt. Sie durfte sich was aussuchen. Das wirkte. Sie saß also auf dem Töpfchen und ich davor mit dem Buch in der Hand. Bis auf einem Mal hat sie jedes Mal mindestens ein paar Tropfen reingemacht. Nun machen wir das so seit ca. zwei Wochen, und es klappt ganz gut. In der Krippe erfahre ich nun auch fast jeden Tag, dass sie dort mindestens ein Mal auf Toilette ging. Ansonsten, so zwischen Krippe und Vor-dem-Schlafen-Gehen möchte sie weder aufs Töpfchen noch auf Toilette, sondern explizit in die Windel. Das ist okay.

[quote float=“left“]Kalte Füße sorgen generell für häufigeren Harndrang, nicht nur nachts, und können gefühlt einen dauernden Pieseldrang erzeugen.[/quote] Denn andere Phasen habe ich noch nicht entdecken können, wie im Buch vorgeschlagen. Wenn sie viel getrunken hat, frage ich sie öfter einmal, aber da kommt immer entweder ein „Nein“ oder „In die Windel“. Morgens ist sie noch relativ lange weiterhin trocken. Sie ist wohl anscheinend keine „Aufwachpieslerin“. Die Kalte-Füße-These finde ich ganz interessant, kann sie allerdings weder bestätigen noch widerlegen. Sie trägt einen Schlafoverall mit offenen Beinen. Nachts hat sie oft so warme Füße, dass sie ihre Socken auszieht. Sie wäre mit dieser Kluft für den alleinigen Töpfchengang gewappnet, denn sie kann sich frei bewegen, und sie kann sich auch alleine an- und ausziehen. Aber so weit sind wir noch nicht. Was ich sonst noch beobachten konnte, ist dass sie eine „Auswärtspieslerin“ ist. Im Café oder in der Bücherei sagt sie gerne mal „Ich muss pullern“, und dann heißt es ab aufs Klo. Lustig. Zu Hause passiert das nicht.

Was hier nicht wie im Buch vorgeschlagen funktioniert, ist dass das Buchlesen bzw. -angucken tatsächlich zum Pinkeln führt. Es ist zwar eine Motivation, sich überhaupt aufs Töpfchen zu setzen, aber gemacht wird grundsätzlich erst danach. Ich muss sogar ganz explizit das Buch beiseite legen, sonst kann sie nicht in sich gehen und loslassen. Anscheinend führt Bücherlesen bei ihr nicht zur Tiefenentspannung.

[quote float=“right“]Schiebe das (…) Granulat zwischen den Fingern hin und her. Fühlt es sich rutschig an? Dann war schon ein Piesler zu Gast.[/quote] Einige Bereiche des Buchs treffen nicht auf uns zu, da wir weder mit Wegwerfwindeln wickeln noch mit dem Auto unterwegs sind. Es ist aber schon ganz kurios, über das Rutschen und Nicht-Rutschen von Superabsorber-Kügelchen zu lesen.

Ansonsten sind wir noch auf dem Weg. Aktuell freundet sie sich mit den Trainern an. Ich werde demnächst davon berichten. Unterwegs und nachts ohne Windeln ist für mich noch weit entfernt. Auch was das große Geschäft angeht, wird es wohl noch ein Weilchen dauern. Aber wer weiß? Vielleicht geht es dann doch schneller als man denkt, jetzt wo der Stein ins Rollen gebracht wurde?

Insgesamt finde ich das Buch unterhaltsam und gut strukturiert. Ich finde es sehr gut, dass nichts von Belohnungssystemen drin steht. Es geht eben im Kern darum, gemeinsam durch Beobachten und Kommunizieren herauszufinden, wie das Kind am besten den Weg zum Töpfchen oder zur Toilette finden kann. Die Tipps sind hilfreich und laden zum Ausprobieren und Reflektieren ein. Ich hätte mir insgesamt weniger dekorierende und mehr erläuternde Illustrationen gewünscht, aber das ist vielleicht auch Geschmackssache. Meine Tochter findet die vielen Herzchen und Häschen und Vögelchen toll.

Das Buch ist insbesondere für diejenigen geeignet, die sich noch nicht so viel mit dem Thema beschäftigt haben und sich vorbereiten möchten. Es ist kein erhobener Zeigefinger dabei, und man muss es auch nicht von Anfang bis Ende durchgelesen haben, damit es was taugt.